Ich liebe Häkeln. Ich liebe Amigurumi. Charmante Charaktere, die mit jeder Masche ein bisschen mehr Persönlichkeit bekommen. Als ich mein kleines Handmade-Business mit Amigurumi-Anleitungen und Häkelsets gestartet habe, war da vor allem eins: Freude. Tiefe, ehrliche Freude daran, etwas Eigenes zu erschaffen und mit anderen zu teilen.
Und trotzdem kam es.
Das Burnout.
Vielleicht denkst du jetzt: Wie kann man denn ausgerechnet von dem ausbrennen, was man liebt? Genau das habe ich mich auch lange gefragt.
Wenn Leidenschaft zur Dauerbelastung wird
Im Handmade-Business verschwimmen die Grenzen sehr schnell. Arbeit fühlt sich nicht wie Arbeit an, sondern wie ein Teil von dir. Dein Produkt ist kreativ, persönlich, handgemacht. Jede Anleitung, jedes Set trägt deine Handschrift. Und genau das macht es so verletzlich.
Plötzlich hängt dein Selbstwert nicht mehr nur an deiner Kreativität, sondern an Likes, Kommentaren, Reichweite. Social Media wird zur Bühne, auf der du ständig präsent sein musst. Posten. Reagieren. Sichtbar bleiben. Algorithmen verstehen. Trends mitmachen. Dabei wolltest du doch eigentlich nur häkeln.
Der Druck kommt schleichend. Niemand sagt offen: Du musst jeden Tag kreativ, motiviert und erfolgreich sein. Aber genau so fühlt es sich an.
Die Überforderung durch Social Media
Social Media kann verbinden, inspirieren und verkaufen. Aber es kann auch überwältigen. Besonders dann, wenn man allein arbeitet.
Du siehst andere Shops mit mehr Followern, mit perfekten Bildern, mit scheinbar mühelosen Launches, mit konstantem Wachstum.
Und obwohl du weißt, dass das nur ein Ausschnitt ist, beginnt dein Kopf zu rechnen: Warum klappt das bei mir nicht genauso leicht? Warum bin ich so müde? Warum fühlt sich alles so schwer an?
Aus Freude wird Pflicht. Aus Kreativität wird Vergleich. Aus Leidenschaft wird Druck.
Wie sich Burnout anfühlt
Burnout kommt nicht als lauter Knall. Es ist eher ein langsames Leiserwerden.
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Die Maschen rutschen dir durch die Finger, aber ohne Freude.
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Neue Ideen fühlen sich nicht mehr aufregend an, sondern anstrengend.
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Du bist müde, obwohl du „nur“ das tust, was du liebst.
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Jede kleine Aufgabe fühlt sich riesig an.
Und dann ist da dieses Gefühl des Versagens.
Ein Gefühl, das überhaupt nicht den Tatsachen entspricht, aber unglaublich schwer auf dir lastet.
Du hast etwas aufgebaut. Du hast Kund:innen. Du hast Wissen, Talent und Erfahrung. Und trotzdem sagt eine leise Stimme: Es reicht nicht. Du bist nicht gut genug. Du müsstest mehr schaffen.
Dieses Gefühl entsteht nicht, weil du versagt hast.
Es entsteht, weil du zu lange über deine eigenen Grenzen gegangen bist.
Mögliche Wege aus dem Burnout
Es gibt keinen schnellen Fix. Aber es gibt Wege.
1. Pausen ernst nehmen
Nicht als Belohnung, sondern als Notwendigkeit. Kreativität braucht Freiräume, ja sogar Leere, um wieder zu fließen.
2. Den Druck von Social Media reduzieren
Du darfst weniger posten. Du darfst Formate streichen. Dein Wert hängt nicht an deiner Reichweite.
3. Ehrlich hinschauen
Was raubt dir Energie? Was gibt dir Energie? Oft ist es nicht das Häkeln selbst, sondern das Drum-herum.
4. Hilfe annehmen
Austausch mit anderen Handmade-Unternehmer:innen kann unglaublich entlastend sein. Du bist nicht allein mit diesen Gefühlen!
5. Deine Definition von Erfolg neu schreiben
Erfolg darf auch bedeuten: gesund bleiben, Freude spüren, weitermachen können.
Du bist nicht kaputt
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann möchte ich dir eines sagen:
Mit dir ist nichts falsch.
Burnout im Handmade-Business ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen dafür, dass dir dein Tun wichtig ist – vielleicht sogar zu wichtig, so dass du dich selbst dabei ab und zu vergißt.
Ich schreibe diesen Text aus eigener Erfahrung – und ich schreibe ihn, weil ich glaube, dass wir mehr darüber sprechen müssen. Ehrlich. Ohne Hochglanzfilter.
Lass uns drüber reden
Hast du Ähnliches erlebt? Wie gehst du mit Druck, Erschöpfung oder Selbstzweifeln um? Ich freue mich auf den Austausch – denn genau darin liegt oft der erste Schritt zur Heilung.



