Wer häkelt oder strickt, kennt diese Frage nur zu gut: Welches Garn soll ich nehmen?
Chenille, Baumwolle, Wolle, Acryl, Mischgarne – die Auswahl ist riesig. Und oft entscheidet am Ende nicht nur das Projekt, sondern auch ein Bauchgefühl. Weich soll es sein. Schön aussehen. Gut in der Hand liegen. Vielleicht auch „im Trend“.
Gerade in der Amigurumi-Welt scheint die Antwort aktuell klar zu sein: Chenillegarn. Flauschig, dick, superweich – und gefühlt überall. Aber ist das wirklich immer die beste Wahl? Spoiler: Es kommt darauf an. Und genau darüber möchte ich in dieser Blog-Serie sprechen.
Warum Garnwahl mehr ist als eine technische Entscheidung
Auf den ersten Blick wirkt Garnwahl recht simpel: Welche Nadelgröße? Welche Maschendichte? Welche Farbe?
Doch wenn man genauer hinschaut, steckt viel mehr dahinter. Garn beeinflusst:
- wie langlebig ein Projekt ist
- wie es sich anfühlt – in der Hand und im Alltag
- wie reparierbar es bleibt
- und auch, welchen ökologischen Fußabdruck es hinterlässt
Mit jeder Masche treffen wir also kleine Entscheidungen. Nicht im Sinne von „richtig oder falsch“, sondern im Sinne von bewusst oder unbewusst.
Chenille: Der flauschige Liebling
Chenillegarn ist weich. Wirklich weich. Es verzeiht ungleichmäßige Maschen, lässt Projekte schnell wachsen und sorgt für diesen „Oh wow!“-Moment, wenn ein Amigurumi plötzlich aussieht wie ein kleines Kuscheltier aus dem Laden. Kein Wunder also, dass es gerade für:
- Anfänger*innen
- schnelle Projekte
- Geschenke mit Kuschelfaktor
so beliebt ist. Dazu kommt: Chenille sieht auf Fotos großartig aus. Social Media liebt Flausch. Aber: Chenille ist fast immer synthetisch, meist aus Polyester. Und genau da fängt es an, komplizierter zu werden.
Baumwolle & Wolle: Die ruhigeren Alternativen
Naturgarne wie Baumwolle oder Wolle wirken im Vergleich oft unspektakulärer. Die Maschen sind sichtbar. Fehler bleiben sichtbar. Und ja – sie fühlen sich weniger „plüschig“ an. Dafür bringen sie andere Qualitäten mit:
- sie sind langlebig
- atmungsaktiv
- reparierbar
- und biologisch abbaubar
Ein Amigurumi aus Baumwolle fühlt sich anders an als eines aus Chenille. Weniger Kuscheltier, mehr Handarbeit. Weniger Trend, mehr Zeitlosigkeit. Und genau das schätze ich persönlich sehr.
Meine Haltung – und warum sie nicht für alle gelten muss
Ich arbeite lieber mit natürlichen Materialien. Nicht, weil ich perfekt sein möchte – sondern weil es sich für mich richtig anfühlt. In meiner Arbeit und auch privat versuche ich, synthetische Materialien so weit wie möglich zu vermeiden. Das gilt unter anderem für Garne, Füllmaterial und kleine Details wie Augen oder Verzierungen.
Nicht aus Ideologie, sondern aus Überzeugung. Ich mag die Idee, dass etwas Handgemachtes auch im Material ehrlich ist.
Aber: Das ist meine Entscheidung. Keine Regel. Kein Anspruch an andere.
Ein Ausblick
In den nächsten Teilen dieser Serie geht es genau um diese Spannungsfelder:
- Flausch vs. Nachhaltigkeit
- Sicherheit vs. Natürlichkeit
- Trend vs. Haltung
Und auch darum, warum es absolut legitim – und manchmal sogar notwendig – ist, synthetische Materialien zu verwenden, zum Beispiel bei Amigurumi für kleine Kinder.
Diese Serie soll kein Urteil sein. Sie ist eine Einladung zum Nachdenken, Abwägen und bewussten Entscheiden. Denn am Ende zählt nicht nur, was wir häkeln – sondern auch, wie und warum.



